Vergesst die Welt nicht

Stein-Peter

COVID-19 hat beinahe alle Länder der Welt erfasst. So sehr unser Land gerade damit beschäftigt ist die medizinischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen im Inland zu bekämpfen, liegt es doch im Interesse Deutschlands das Virus gleichzeitig weltweit zu bekämpfen. Tun wir das nicht, kann Corona in Wellen jederzeit wieder zu uns nach Deutschland und Europa zurückkehren und unsere Anstrengungen zu Nichte machen.

Wichtig ist dabei nicht nur kurzfristig die Not der Menschen zu lindern und auf einen baldigen Impfstoff zu warten. Schon in der Krise müssen wir die Richtung für unser zukünftiges Handeln abstecken. Denn leider sind die Megatrends unserer Zeit – Globalisierung und Urbanisierung verbunden mit der Einschränkung von Lebensräumen der Wildtiere, Rückgang von Biodiversität und dynamischem Klimawandel. Das befördert nachweislich die Ausbreitung von Infektionskrankheiten, Zoonosen und Pandemien immer stärker.

Wir dürfen nach Corona in vielen Bereichen der Globalisierung nicht nachlassen, international Umwelt- und Klimaschutz nach vorne zu stellen, sondern müssen in unserem Verständnis der Zusammenhänge die Kreisläufe der Natur und die Rolle von Mensch und Tier  stärker respektieren.

Der Klimawandel hat gerade in den Ländern des globalen Südens, Einfluss auf die individuelle Gesundheit: ausgewaschene oder belastete Böden und unreines Trinkwasser begünstigen die immer neuen Krankheitsbilder. Mangelernährung schwächt das Immunsystem zusätzlich.  Im Vergleich dazu haben wir es in Mitteleuropa gut. Aber auch in Deutschland kämpfen Landwirte zunehmend mit Ernteausfällen wegen immer häufiger auftretender Wetterkapriolen. Unsere Wälder leiden seit Jahren unter anhaltender Dürre.

Das weltweit dynamische Bevölkerungswachstum verstärkt einige dieser Effekte zusätzlich und verringert den Lebensraum von Mensch und Tier.

Die von der Bundesregierung und dem Deutschen Bundestag der letzten Wochen getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus und zur Stützung unserer Wirtschaft sind maßvoll und notwendig und werden hoffentlich das Schlimmste verhindern.

Viele Entwicklungsländer sind dazu schlichtweg nicht in der Lage. Es gibt kaum Labore, Notfallbetten oder Beatmungsgeräte, Konjunkturprogramme sind schlicht nicht finanzierbar. Dabei ist die Gefahr der Ansteckung in vielen Entwicklungsländern dreimal höher aufgrund der schlechten sanitären Voraussetzungen. Mehr als die Hälfte der Menschheit hat zum Beispiel keinen Zugang zu angemessener Sanitärversorgung oder auch nur Wasser und Seife. Besonders prekär ist die Lage in Ballungsgebieten, Slums und überfüllten Flüchtlingslagern. Dort ist kaum medizinische Hilfe vorhanden.

Zudem fehlen das Geld und die Verwaltung um Maßnahmen zur sozialen und wirtschaftlichen Stabilisierung durchzuführen. Millionen Menschen sind weltweit bereits arbeitslos – ohne jede Grundsicherung – weil globale Lieferketten zusammengebrochen sind. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen befürchtet, dass fast die Hälfte aller Arbeitsplätze in Afrika gefährdet ist. Die Vereinten Nationen rechnen mit Einkommensverlusten von 220 Milliarden US-Dollar für Entwicklungs- und Schwellenländer. In der Folge könnten viele dieser Länder zahlungs- und so handlungsunfähig werden.

Die Versorgung mit Nahrungsmitteln ist insgesamt prekär, weil die Transportwege wegbrechen – ganze Ernten drohen auszufallen. 130 Millionen Menschen sind so durch die Corona-Krise zusätzlich von Hunger bedroht. Zudem sind Entwicklungsländer oftmals von Lebensmittelimporten abhängig. Die Weltmarktpreise drohen deutlich zu steigen, was zu Zahlungsunfähigkeit führen kann und zu noch mehr Hunger.

Deutschland ist aus humanitären aber auch aus sicherheitspolitischen Gründen heraus aufgerufen, zusammen mit der internationalen Gemeinschaft, die Entwicklungs- und Schwellenländer in ihrem Kampf gegen das Virus zu unterstützen. Andernfalls drohen Hunger, Unruhen und Gewalt. Terroristische Gruppen verüben schon jetzt verstärkt Anschläge in der Sahelregion, mit dem Ziel, die Regierungen dort zu destabilisieren. Die Folgen wären der Zusammenbruch der Staatlichkeit und unkontrollierbare Fluchtbewegungen.

In dieser globalen Krise müssen wir also aus ureigenem Interesse solidarisch handeln. Und ich betone: mit unseren europäischen Nachbarn, weltweit!

Das Bundesentwicklungsministerium hat aktuell ein globales Corona-Sofortprogramm aufgelegt. Wir haben schon vor Corona den gesamte Entwicklungsetat zur Stabilisierung von Entwicklungs- und Schwellenländern fokussiert, insbesondere zur Stärkung von Gesundheitssystemen, der wirtschaftlichen Kooperation, der Ernährungssicherung und zur Krisenbewältigung eingesetzt. In einer neuen Phase werden laufende Programme zur Stärkung der Versorgungsstrukturen und Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung priorisiert eingesetzt. Zusätzlich werden Programme so umstrukturiert, dass sie auf Nothilfe, auf Versorgung in Flüchtlingslagern und Bewältigung humanitärer Krisen zielen.

Abschließend sehe ich auch eine große gemeinsame Chance: Afrika muss als großer Markt- und Arbeitsplatz unser Partner werden für eine wirtschaftliche Kooperation der Zukunft. Wir haben gesehen, dass einseitige Lieferbeziehungen mit asiatischen Ländern instabil werden können und wir uns daher in den Lieferketten diversifizieren müssen. Bald 2 Milliarden Menschen dort haben Konsum- und Lebensbedürfnisse und die wollen bedient werden. Große Kooperationspotentiale liegen mit Sicherheit in den Bereichen Erneuerbare Energien, Lebensmittel- und Gesundheitswirtschaft, Logistik oder auch technische Zulieferbetriebe.

Weiterführende Informationen zur afrikabezogenen Arbeit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion finden Sie auf unserer Homepage www.halloafrika.de.


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