Schon jetzt an die Zeit nach Corona denken

Stein-Peter

Die globalen Auswirkungen der Corona-Pandemie sind in vielen Bereichen gravierend. Das betrifft insbesondere auch das System der globalen Lieferketten und damit uns als Exportnation und unsere Abhängigkeit von globalen Entwicklungen. Der Staat kann und die Regierung muss in diesem Bereich Krisennachsorge und Prävention betreiben und darf den Markt nicht nur sich selbst überlassen. Denn gerade die Kräfte des globalen Marktes entsprechen nicht überall auf der Welt unseren Regeln des freien und fairen Handels.

Wir sind offenbar zu einseitig abhängig von bestimmten Lieferbeziehungen, zu wenig diversifiziert. Es fehlt Redundanz. Wir haben erfahren müssen, wie fragil eine komplexe und sicher geglaubte Struktur reagiert, wenn eine Überforderung des Gewohnten eintritt. Das zeigt sich bei Massenartikeln, wie Schutzmasken oder Laborpipetten. Es gibt diese Abhängigkeiten aber auch bei anderen Produktlinien, Medikamenten, Chemikalien oder auch Zulieferteilen im Maschinenbau.

Ja, Unternehmer treffen selbst die Entscheidung über ihre Geschäftsbeziehungen. Das können sie besser als die Politik. Politik muss aber die Rahmenbedingungen setzen und die Gültigkeit von rechtsstaatlichen Regeln international vereinbaren: über den Rechtsrahmen, sichere Handelswege, Handelsabkommen, Umwelt- und Arbeitnehmerstandards. Politik muss neue Wege markieren, zum Beispiel nach Afrika. Dort wird die neue Diversifizierung der Handels- und Lieferbeziehungen zum Tragen kommen müssen. Dort entsteht der größte Binnenmarkt der Zukunft. Dort nutzen die Chinesen nicht erst seit Corona ihre ungehemmte Marktmacht und wir müssen uns mit Sorge Gedanken darüber machen, wie sie nach Corona dort auftreten werden. Wir treffen auf globale Konkurrenz der Staatskonzerne, staatlichen Betriebe, staatlichen Kredite und politische Einflussnahme. Die deutsche Wirtschaft muss leistungsfähig und wirtschaftlich potent gehalten werden, um sich diesen Kräften zu stellen. Wir müssen den  Rahmen immer so weit stabilisieren, dass auch zukünftig überhaupt ausreichend Spielräume für privat-marktwirtschaftliche Entscheidungen bleiben.

Das ist aktuell unser politischer Auftrag.


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