Braucht Deutschland eine nationale Diabetesstrategie?

Monstadt-Dietrich

In unserer heutigen Gesellschaft gilt Diabetes mellitus als eine der bedeutendsten Volkskrankheiten Deutschlands. Mit derzeit rund 12 Millionen Betroffenen, inklusive einer Dunkelziffer von 10 bis 20 %, und bei einer relativen Zunahme der Typ-2-Diabetesfälle um 54-77 % (+3,8 Mio. + 5,4 Mio. Fälle) bis 2040, können wir von ca. 16 Millionen Diabetiker innerhalb der nächsten 20 Jahre ausgehen. Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen sind nur einige der Folgeerkrankungen die auftreten können und einen schwerwiegenden Krankheitsverlauf mit sich bringen. Dies stellt sich zusehends als eine starke Belastung für das Gesundheitswesen dar. In Deutschland wird nach Berechnungen des Deutschen Diabetes-­Zentrums in Düsseldorf jeder zehnte Euro für direkte medizinische Kosten des Typ-2-Diabetes aufgewendet. Dies entspricht rund 16 Milliarden Euro pro Jahr. 

Als betroffener Diabetiker und Berichterstatter für Diabetes und Adipositas der CDU/CSU Fraktion im Deutschen Bundestag, arbeite ich seit Jahren an einer nationalen Diabetesstrategie. Daher war es mir auch besonders wichtig, dass im Koalitionsvertrag, den ich mitverhandelt habe, festgehalten wurde, dass wir Volkskrankheiten gezielt bekämpfen und eine nationale Diabetesstrategie implementieren wollen.

Eine Diabetesstrategie muss sich auf alle Bereiche konzentrieren, die hier eine wichtige Rolle spielen. Dazu zählen Versorgung, Forschung und nicht zuletzt Prävention. Nur so kann der, in der diabetologischen Versorgung auf uns zukommende „Tsunami“, aufgehalten werden.

Im Bereich der Versorgung wollen wir eine qualitativ hochwertige, flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung sicherstellen. Wer bereits an Diabetes erkrankt ist, benötigt eine kontinuierliche, wohnortnahe, ambulante Langzeitbetreuung. Wichtig ist, dass die sektorenübergreifende Versorgung (Hausarzt, Schwerpunktpraxis, Klinik) weiter ausgebaut wird. Gerade bei einer chronischen Krankheit wie Diabetes, deren Ausprägung so individuell ist, sind strukturierte Behandlungsprogramme dringend notwendig.

Ich begrüße außerdem, dass nun die Telemedizin vorangetrieben wird. Die telemedizinische Versorgung ist ein wichtiger Faktor in der nationalen Diabetesstrategie und wird Patientinnen und Patienten eine bessere Versorgung ermöglichen. So wie die Einführung der Video-Sprechstunde, die vorzugsweise im ländlichen Raum für die Patientinnen und Patienten eine enorme Entlastung bedeutet. Auch Apps auf Rezept und die elektronische Patientenakte halte ich für einen großen Gewinn in der Versorgungslandschaft der Zukunft.

Die große Herausforderung bei Präventionsmaßnahmen ist nicht nur, Verhaltens- und Verhältnisprävention zu verankern, sondern auf Grund der ressortübergreifenden Zuständigkeiten, alle Beteiligten für die gleichen Wege zum Ziel zu gewinnen. Denn Bewegung und Ernährung sind zwei wichtige Schlüssel in der Diabetesprävention.

Nach langer Arbeit und vielen Verhandlungen mit dem Koalitionspartner und den Ernährungs- und Landwirtschaftspolitikern, bin ich nach wie vor zuversichtlich, dass wir uns einigen können und nun schnellstmöglich die nationale Diabetesstrategie auf den Weg bringen werden.


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