Michael Sack: Kinder und Jugendliche gehören in den Vordergrund

06.08.2021

Der Vorsitzende der CDU Mecklenburg-Vorpommern und Spitzenkandidat zur Landtagswahl, Michael Sack, erklärt anlässlich der laufenden Debatten um den Schulstart in Mecklenburg-Vorpommern im Nachgang zu seinem Touraufenthalt in Neustrelitz:

„Kinder und Jugendliche haben oberste Priorität - dieses Versprechen hat das Land gerade in den letzten eineinhalb Jahren mehrfach abgegeben. Eingehalten wurde es nicht immer.

Mit Beginn des neuen Schuljahres müssen alle entscheidenden Akteure gemeinsam alles dafür tun, dass sich Schul- und Kitaschließungen nicht wiederholen. Als CDU haben wir bereits vor Monaten Pläne für ein klares Testregime mit Pooltests sowie Impfkampagnen vor Ort vorgelegt. Sowohl Testen als auch Impfen sind die entscheidenden Maßnahmen, um den Regelbetrieb in Schulen und Kitas aufrechterhalten zu können. Ich begrüße es daher ausdrücklich, dass zum Schulstart in vier Modellregionen eine PCR-Reihenuntersuchung mittels Lollitests möglich ist. Vier Modellregionen sind jedoch deutlich zu wenig.

Nicht nachvollziehbar ist zudem, dass die ausgewählten Schulen bis heute keine Information seitens des Ministeriums hierzu erhalten haben. Immerhin fand sich die Ankündigung bereits vor Wochen in der Presse. Offenkundig wurden hier die Sommerferien nicht zur Vorbereitung genutzt. Dabei ist das Konzept erprobt und wurde erst kürzlich erneut vom RKI bestätigt und empfohlen. Es besteht folglich kein Mangel an Erfahrungswissen oder gar Erkenntnisdefiziten, es muss schlicht schnell und klar gehandelt werden. Die Reihentestung mittels Lollitest ist daher dringend auf alle Schulen auszuweiten. Der Vorteil ist, dass PCR-Tests eine deutlich höhere Aussagekraft als Antigen-Tests haben, insbesondere mit Blick auf die Delta-Variante. Die Gefahr von falsch negativen Ergebnissen wird extrem reduziert und die Sicherheit für Schüler und Lehrer deutlich erhöht. Die Tests sind für die Kinder zudem deutlich angenehmer.

Wichtig ist zudem, dass die Landesregierung klar kommuniziert: Was passiert nach den ersten zwei Wochen mit der Maskenpflicht? Und muss auf dem Schulhof eine Maske getragen werden - ja oder nein? Eine konsequente Teststrategie mittels PCR-Pooltests kann grundsätzlich einen Beitrag leisten, die Maskenpflicht zu lockern. Die bisherige Regelung in der Schul-Corona-Verordnung muss aber klar und rechtzeitig an die Schulleiter und Eltern kommuniziert werden. Eltern erfahren von ihren Kindern nur selten, was in der Schule wirklich passiert und von der Kultusbürokratie fast nie - letzteres ist ohne Corona schon kein guter Zustand, während einer Pandemie ist es schlicht nicht akzeptabel.

Die Verordnung muss zudem hinsichtlich der Anordnung von möglichem Wechsel- oder Distanzunterricht überarbeitet werden. Mit dem Ansatz, lokal durch die Gesundheitsämter zu entscheiden, folgt die Landesregierung den Vorschlägen der CDU. Dies begrüße ich ausdrücklich. Leider fehlt es der Verordnung an Entscheidungstransparenz. Es ist notwendig, dass es klare Kriterien gibt, nach denen die Gesundheitsämter entscheiden und diese Kriterien müssen dann landesweit einheitlich gelten. Richtig ist daher auch, dass das LaGuS mit der Erarbeitung von Maßstäben zur Quarantäne beauftragt wurde. Wir benötigen eine differenzierte Lösung und können nicht aufgrund eines einzigen Falles den gesamten Klassenverband unter Quarantäne stellen. Dies führt zu einem ständigen hin und her zwischen Öffnung und Schließung. Einziges Entscheidungskriterium darf aus meiner Sicht nicht die Inzidenz sein, wir haben durch den Fortschritt der Impfkampagne inzwischen einen Punkt erreicht, an dem in erster Linie die Hospitalisierungsrate Aufschluss darüber gibt, ob unserem Gesundheitssystem die Überlastung droht. Richtschnur muss sein: Für Gesunde besteht die Möglichkeit und die Pflicht, am Präsenzunterricht teilzunehmen.

Ebenso müssen wir auf den zunehmenden Impffortschritt reagieren. Sollte Quarantäne, Wechsel- und/oder Distanzunterricht für Ungeimpfte notwendig sein, müssen wir gleichzeitig den Präsenzunterricht für Geimpfte gewährleisten, ohne dabei Klassenstrukturen aufzubrechen. Wir müssen Schulen und Lehrkräfte also zu hybridem Unterricht befähigen. Die bisherige technische Ausstattung ist jedoch hierfür ungenügend. Hier muss dringend nachgebessert und die Lernplattform ,it's learning‘ aufgewertet werden. Die Erfolgsmeldung des Ministeriums, dass an die Plattform bereits etwa 80 Prozent der Schulen angeschlossen sind, lässt jedoch unausgesprochen, dass nach anderthalb Jahren Corona 20 Prozent immer noch nicht angeschlossen sind. Dies ist viel zu viel und muss dringend behoben werden. Zudem sagt die Zahl der angeschlossenen Schulen nichts darüber aus, ob die Schulen die Plattform auch nutzen; erste Erhebungen legen eher nahe, dass die Nutzung der Plattform die Ausnahme blieb und nicht die Regel war.

Ganz wichtig sind auch klare Aussagen zu den nun stattfindenden Lernstandserhebungen. Als CDU haben wir bereits vor den Sommerferien diese wiederholt angeregt, um Lehrkräften als auch Schülern eine klare Rückmeldung zum Leistungsstand zu geben und möglichen Handlungsbedarf zum Aufholen aufzuzeigen. Hier wurde viel Zeit vertrödelt. Dass die Lernstandserhebungen in den ersten vier Wochen des neuen Schuljahres durchgeführt werden sollen, ist reichlich spät. Entscheidend wird sein, dass an die Erhebungen eine Übergangsphase angeschlossen wird, die einerseits den Regelunterricht des Rahmenplans in den Vordergrund rückt und andererseits den Lehrkräften die Möglichkeit gibt, den Schülern den Nachholbedarf aufzuzeigen und entsprechende Empfehlungen zu geben. Den Stand zu erheben, löst das Problem nicht, es dient dazu, das Problem zu identifizieren. Das Ziel muss sein, dass der gesamte Lernrückstand bis zu Beginn der Herbstferien aufgeholt wird, wo dies möglich ist, braucht es ein Konzept, wie dieses Ziel schnellstmöglich erreicht wird, und zwar für alle Schülerinnen und Schüler.

Den Abschlussjahrgängen müssen jetzt schon klare Hinweise zu den prüfungsrelevanten Inhalten gegeben werden, damit diese sich entsprechend vorbereiten können. Immerhin haben die aktuellen Abschlussjahrgänge auch das vorbereitende Schuljahr unter Pandemiebedingungen durchleben müssen.

Ab jetzt müssen Kinder und Jugendliche wirklich Priorität genießen, Schließungen von Einrichtungen müssen dringend verhindert werden. Dort, wo es wirklich nicht anders geht, sind aber die Gegebenheiten so zu schaffen, dass hieraus kein Nachteil entsteht. Dies gilt insbesondere für die sich abzeichnende Herausforderung hinsichtlich der Beschulung von Geimpften und Ungeimpften innerhalb eines Klassenverbandes. Letztere dürfen durch einen möglichen Wechsel- oder Distanzunterricht nicht benachteiligt werden - Hybridunterricht muss folglich dringend ermöglicht werden.
Die Optionen und Erfahrungen liegen auf dem Tisch. Nutzen wir diese!"


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