Zwischen Weltkrieg und Wende - Mecklenburgische Bauernfamilie berichtete über ihren Werdegang von 1940 bis heute

28.08.2017

Bei schönstem Sommerwetter trafen sich Mitglieder der Senioren-Union und Interessierte am 23. August im Garten der Landwirtsfamilie Prahl auf dem Resthof von Gammelin. Nach Kaffee und Kuchen berichtete Gerhard Prahl vor malerischer Kulisse über den Werdegang seiner Familie.

Ursprünglich stammen die Prahls aus Viez bei Hagenow. 1940 erfuhr der Vater von Gerhard Prahl, dass auf dem Resthof in Gammelin eine Domäne aufgesiedelt wird. Er bewarb sich dort und konnte wenig später auf 73 Hektar anfangen zu wirtschaften. Vier Jahre später wurde er zum Wehrdienst eingezogen. Nach Ende des Krieges kamen erst die Amerikaner, dann die Engländer und schließlich die Russen nach Gammelin. Letztere vertrieben alle Einwohner aus Häusern und Hallen und ließen diese am Dorfrand in Ställen hausen. Erst als das Enteignungsgesetz in Kraft trat, das nur Höfe mit mehr als 100 Hektar betraf, bekam Familie Prahl ihre Gebäude zurück. Doch die russischen Besatzer hatten alles mitgenommen, was sie transportieren konnten. „Vieh, Saatgut, Ernte - alles war weg“, erinnert sich Gerhard Prahl. „Nur ein Traktor und vier Pferde blieben uns noch zum Wirtschaften.“ Prahls Vater hielt sich dann die erste Zeit mit Tabakanbau über Wasser und kaufte von dem Erlös nach und nach wieder junge Rinder.

Doch die Bedingungen wurden in der DDR zunehmend schlechter und ab 1950 nahmen die Schikanen gegenüber Bauern merklich zu. „Das Schlüsselerlebnis für meinen Vater war, dass ihm ein Beamter, den er gut kannte, in Hagenow nicht mehr auf offener Straße die Hand geben wollte.“ An diesem Tag entschied er, im Westen neu anzufangen und den Hof in Gammelin zurückzulassen. Am 13. Februar 1953 machte sich die Familie über Westberlin auf den Weg. „Eigentlich wollten wir nach Schleswig-Holstein oder Niedersachsen. Aber wir hatten nur die Wahl zwischen Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.“ So kam es, dass Familie Prahl zunächst in einem hessischen Aufnahmelager lebte, bis der Vater eine Anstellung in einer Möbelfabrik im Landkreis Offenbach bekam. „Für eine D-Mark pro Stunde hat er dort gearbeitet.“ Gerhard Prahl begann dann seine Lehre zum Landwirt in Bad Homburg.

1956 bewarb sich sein Vater um einen Betrieb mit 17 Hektar in Villmar an der Lahn und bekam durch Zufall schneller als gedacht eine Zusage. So konnte er wieder als Ackerbauer anfangen, sich etwas aufzubauen. Doch für große Weiterentwicklungen des Betriebes war hier kein Platz. Als die Wende vor der Tür stand, war der Vater schon zwei Jahre verstorben. Doch Gerhard Prahl zog es zurück nach Gammelin. „Alle zwei Wochen sind wir in dieser Zeit hier hochgefahren, waren bei allen Behörden und haben darum gekämpft, den Resthof zurückzubekommen. Das war nicht einfach: Als Republikflüchtlinge waren wir aus dem Grundbuch gestrichen worden.“ Doch die Hartnäckigkeit wurde belohnt, Prahl und seine Familie bekamen den Hof und das zugehörige Land zurück. Die Gebäude waren allerdings alle verfallen. „Wir mussten ein neues Wohnhaus und eine Halle bauen.“

Heute führt sein Sohn den Betrieb mit Ackerbau und Mutterkühen. „Für uns war es selbstverständlich, dass wir hierher zurückwollen. Das ist unser Zuhause, hier fühlen wir uns wohl.“

Foto: Catharina Haenning


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